Was kostet ein Bienenvolk? Was ist sein Wert?

Oscar Wilde hat sich einmal über einen Mann geäußert, der „den Preis von allem kannte und von nichts den Wert.“
Was ist der Preis für ein Bienenvolk? Aktuell zwischen 150 und 250 EUR, je nach Größe und Zeitpunkt. Denn in Zeiten, wenn mancherorts über 50 % der Bienenvölker aus bekannten oder unerklärten Gründen sterben, kann der Preis schnell mach hochklettern. So ist der Zeitpunkt also mitentscheidend.
Was ist der Wert eines Volkes? Allgemein bekannt dürfte mittlerweile sein, dass der volkswirtschaftliche Nutzen eines Bienenvolks weitaus größer ist als der betriebswirtschaftliche Ertrag aus Honig, Wachs, Pollen und Propolis.
Machen wir eine mögliche Rechnung zur Wertermittlung eines Bienenvolkes:
Die jährliche Bestäubungsleistung der Bienenvölker allein in Deutschland wird auf ca. 2.5 Mrd. Euro beziffert. Bei ca. 750.000 Bienenvölker im Land macht das einen volkswirtschaftlichen Ertragswert von 3.333 Euro pro Volk. Und zwar jedes Jahr.
Wäre es im Sinne des Gemeinwohl-Gedankens denkbar, wenn dieser volkswirtschaftliche Nutzen auch gewürdigt werden würde? In Form einer Prämie pro Bienenvolk an die Bienenhalter*innen? Vergleichbar zu den Flächenprämien für Landwirt*innen. Bei nur einem Zwanzigstel dieses volkswirtschaftlichen Ertragswertes als Förderprämie wären es dann immerhin 166 Euro pro Bienenvolk. Jahr für Jahr. Ich sage schon mal Danke an all die Politiker*innen, die das im nächsten Koalitionsvertrag nach der Bundestagswahl im September 2017 umsetzen werden.

Autor: Ulrich Miller, 24.08.2017

 

Nachtrag:

Diese Forderung nach einer Förderprämie für die Bienenhalter*innen wird doch wohl nicht der Grund gewesen sein, dass die Sondierungen zur Jamaika-Koalition scheiterten? Ulrich Miller, 20.11.2017

 

Mit dem Sommerhonig durch den Winter

Der Sommerhonig 2017 stammt vorwiegend aus dem kleinstädtischen Umfeld von Freising. Ich wurde von einem Kunden gefragt wie es denn sei mit der Belastung des Honigs aus der Stadt? Im ersten Moment liegt dieser Gedanke nahe, haben einige Städte doch massive Probleme mit ihrer Luftreinhaltung.

Stadthonig aus Berlin wurde neben den Leitsubstanzen Blei, Cadmium und den PAKs (Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe) auch noch auf weitere Substzanzen untersucht.
Ein Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Werte sowohl bei Blei und Cadmium als auch bei den PAKs unter den Grenzwerten für Trinkwasser bleiben.
Wie es nun dazu kommt, dass wir einerseits über schlechte Luftqualität in Städten zu beklagen haben, andererseits der Honig aus “diesem Milieu” gute Werte aufzeigt, ist noch zu diskutieren. Wissenschaftlich ist das noch nicht geklärt.
Liegt es daran, dass die Nektardrüsen der Pflanzen, aus denen die Bienen den süßen Stoff gewinnen, gegenüber Feinstaubbelastung relativ gut geschützt sind?
Liegt es daran, dass das Bienenwachs als Aufbewahrungs- und Reifebehältnis des Honigs im Bienenstock als Filter wirkt? (Deshalb ist mir in meiner Bienenhaltung eine hohe Wabenerneuerungsrate so wichtig!)
Liegt es daran, dass die Bienen selbst mit ihrem Organismus vielleicht als Filter wirken?

Nehmen wir also nicht nur den Honig, sondern auch diese Meisterleistung des BIEN als Gabe dankend an. Der Ausdruck BIEN stammt von Herrn Ferdinand Gerstung (1860-1925). Nach Gerstungs Auffassung handelt es sich nicht mehr nur um ein „Bienenenvolk“, sondern um einen “BIEN”, um einen Gesamtorganismus höhrer Ordnung als nur einem Volk.

aus dem Newsletter vom Juli 2017

Nachtrag:

Ich wurde darauf hingewiesen, dass das ja alles recht und schön sei, was ich da schreibe “aber womit überwintern denn deine Bienen, nachdem du ihnen im Sommer ´ihren´ Honig genommen hast?” Grundsätzlich gilt bei mir entsprechend meines Leitbildes https://miller3bienen.de/leitbild/, dass die Honigentnahme einerseits nicht bis auf den letzten Tropfen erfolgt und andererseits so rechtzeitig im Jahr ist, dass sie noch ausreichend für den Winter Honigvorräte aufbauen können. Das heisst nur ein sehr geringer Teil ihres Winterfutters ist mit Zucker zugefüttert und das ist z.B. in 2017 dem Umstand geschuldet, dass sie in Schlechtwetterphasen Unterstützung brauchten.

Honig aus Naturwaben

Honig aus Naturwaben

Honig ist eben nicht gleich Honig. Mitentscheidend für den Geschmack des Honigs ist das “Behältnis”, in dem der Honig heranreifen durfte. Vergleichbar mit der Reife von Weinen in ausgewählten Behältnissen. In allen BIO Verbänden – auch demeter – ist es erlaubt, dass Wachsplatten, sogenannte Mittelwände, für den Bau der Waben im Honigraum eingesetzt werden. Das beschleunigt freilich den Wabenbau und erhöht den Honigertrag. Nicht so in meiner Bienenhaltung.
Nach dem Leitbild von devorim – wie ich meine Bienen halte – müssen/sollen alle Waben auch im Honigraum über Naturwabenbau entstehen.
Das bedeutet mehr Bautätigkeit für die Bienen, sie müssen mehr Wachs schwitzen, was ich als revitalisierend für das Bienenvolk feststelle. Der Honig, der dabei rauskommt: ein besonderer Genuss für den Honigliebhaber – ein Honig mit einem Alleinstellungsmerkmal.

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Autor: Ulrich Miller, 01.12.2016 | Bildrechte liegen bei Ulrich Miller